Vom Unsinn der Rassenlehre

Ach, hätte doch Charles Darwin seiner Zeit, als er sein epochales Werk „The Origin of Species“ ausarbeitete, die technischen Möglichkeiten unserer heutigen Zeit gehabt, dann hätte er durch einen Blick ins menschliche Genom erfasst, dass seine Annahme der „Menschenrassen“ so nicht zutreffend ist. Aber: hätte, hätte, Fahrradkette. Die späteren Wissenschaftler wollten ja auch was zu forschen haben.

Und wir wollen ja nicht alles dem armen alten Darwin in die Schuhe schieben, er war auch nur ein Kind seiner Zeit und bereits vor ihm wurden Menschen immer wieder in „Rassen“ eingeteilt, diese Aufteilung wurde hauptsächlich auf Grund des Aussehens getroffen. Und – was noch schlimmer ist – Durch dieses vollkommen willkürliche Konstrukt, wurde auch eine Wertigkeit der Menschen gesehen. Rasse A war „höherwertiger“ als Rasse B und so weiter. Ein ähnlich absurdes Konstrukt, um sich über andere Menschen zu erheben, ist das des „Adels“, aber das muss in einem eigenen Artikel erörtert werden.

Darwin selbst hat sich mit seiner Evolutionstheorie hauptsächlich auf Flora und Fauna bezogen und sich wiederholt dagegen ausgesprochen, sie auf gesellschaftliche Fragen auszuweiten. Interessant hierzu ist der Artikel von Werner Bartens „Von Darwin zum Rassenwahn“ in der Süddeutschen Zeitung.

Aus dieser irrigen Annahme, dass manche Rassen höherwertiger als andere sind, bildete sich mit der Rassenlehre eine eigene Wissenschaft heraus. Die Nationalsozialisten trieben dies dann mit ihrem unsäglichen Rassenwahn auf die Spitze und kanalisierten dies in ihrem Glauben an die „Überrasse“ der Arier. Die Folgen kennen wir: millionenfacher, brutaler Mord und Folter durch abscheuliche Menschenversuche.

In Ihrer „Jenaer Erklärung“ schreibt die Deutsche Zoologische Gesellschaft: Dass es sich bei den Rassen von Haustieren um etwas ganz Anderes handelt, erkennt man schon an der fehlenden geographischen Gliederung. Haustierrassen sind ausschließlich das Ergebnis menschlicher Züchtung und nicht das Ergebnis eines natürlichen, biologischen Prozesses. Nur im Fall von Haustieren ist tatsächlich die genetische Ähnlichkeit (Homogenität) innerhalb einer Rasse größer als zwischen Rassen. Das Englische verzichtet hier auf den Begriff „race“ und spricht von „breeds“, was dem Sachverhalt viel näherkommt, der Begriff Züchtung wäre auch im Deutschen eher angebracht.
Denkschemata des biologisch begründeten Rassismus wie beispielsweise die Analogie zu Haustierrassen haben dazu verführt anzunehmen, mit gleichem Recht von Menschenrassen (,,human races“) sprechen zu können. Das war oft verbunden mit der Annahme, dass die Ähnlichkeit innerhalb einer vermeintlichen Menschenrasse wesentlich höher sei als zwischen diesen, weshalb eine Abgrenzung möglich sei — im Fall des Menschen ein bitterer Trugschluss.
(1)

Oder um es mit den Worten des Kriminalbiologen Dr. Mark Benecke zu sagen:

Es gibt biologisch gesehen keine Menschenrassen. Der Begriff ist inhaltlich — sachlich und fachlich — sinnleer. Die Unterschiede zwischen dem Aussehen von Menschen sind stufenlos. Wir sind alle einfach Menschen. Angebliche Rassen-Unterschiede sind genetisch nicht vorhanden. (1)

Und weiter heißt es in der Jenaer Erklärung: Erst durch die wissenschaftliche Erforschung der genetischen Vielfalt der Menschen wurden die Rassenkonzepte endgültig als typologische Konstrukte entlarvt. Beim Menschen besteht der mit Abstand größte Teil der genetischen Unterschiede nicht zwischen geographischen Populationen, sondern innerhalb solcher Gruppen. Die höchste genetische Vielfalt findet sich auch heute noch bei Menschen auf dem afrikanischen Kontinent. Dort liegen die Wurzeln und die meisten Verzweigungen im menschlichen Stammbaum.
Auf einem dieser Äste fallen die Menschen Ostafrikas und alle Nicht-Afrikaner zusammen. Menschen außerhalb Afrikas sind somit näher verwandt mit Menschen aus Ostafrika, wie den Hadza, als diese mit Menschen aus Südafrika, z. B. mit den Khoisan.
Aus stammesgeschichtlicher Sicht sind somit alle Menschen Afrikaner. Es ist deshalb geradezu paradox von „dem Afrikaner“ zu sprechen oder aus welchem Grund auch immer von „Schwarzafrikaner“. Hier handelt es sich um ein Relikt kolonialer Sprache und Denkens und es gilt wieder: Rassismus macht Rassen.
(1)

Zwar gibt es durch Umwelteinflüsse entstandene Phänotypen, diese haben aber keine genetische Grundlage und entsprechen somit nicht dem Genotyp.

Ob ein Mensch mehr oder weniger intelligent ist, hat mit der Abstammung also absolut nichts zu tun und Menschengruppen pauschal als „dumm“ oder „intelligent“ zu kategorisieren ist nicht nur falsch, sondern auch perfide.

Dr. Ulrike Basten und Prof. Dr. Christian Fiebach von der Abteilung Neurokognitive Psychologie am Institut für Psychologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main erklären diese Unterschiede übrigens so: Intelligenzunterschiede könnten aktuellen Studien zufolge durch eine unterschiedliche Netzwerkorganisation des Gehirns erklärt werden. Diese Organisation zeigt sich zum Beispiel als funktionelle Kopplung verschiedener Hirnregionen unter Ruhebedingungen. Auch hier wirkt es, als seien intelligentere Gehirne nicht insgesamt effizienter organisiert. Sie weisen zum Beispiel nicht generell engere Verbindungen auf. Aber einzelne Regionen zeichnen sich bei intelligenteren Menschen durch eine besondere Vernetzung aus. Vor Kurzem haben wir erstmals die Verknüpfungen zwischen unterschiedlichen Teilnetzwerken (oder ‚Modulen‘) des Gehirns untersucht und dabei etwas Interessantes festgestellt: Bestimmte Regionen des Gehirns waren bei intelligenteren Personen stärker in den Informationsaustausch zwischen Modulen eingebunden. Wir gehen davon aus, dass die Netzwerkmerkmale von intelligenteren Menschen es ihnen erleichtern, sich gedanklich zu konzentrieren. Dabei können irrelevante, möglicherweise störende Reize besser ausgeblendet werden. Dies könnte einen allgemeinen Vorteil für höhere kognitive Leistungen darstellen.
Die Ursachen der Zusammenhänge zwischen Hirnmerkmalen und Intelligenz sind heute noch nicht ausreichend verstanden. Möglicherweise bilden manche Menschen aufgrund biologischer Veranlagungen Hirnnetzwerke aus, die intelligente Leistungen wahrscheinlicher machen. Genauso gut könnte sich aber auch der häufigere Gebrauch des Gehirns für intelligentere Leistungen positiv auf die Ausformung der Netzwerke im Gehirn auswirken. Bei allem, was wir über den Einfluss von Anlage und Umwelt auf die Intelligenz wissen, erscheint ein Wechselspiel beider Prozesse am wahrscheinlichsten. Abschließend muss man außerdem sagen, dass man Menschen nicht einfach in „Dumme“ und „Intelligente“ aufteilen kann. Wir alle befinden uns auf einem breiten Spektrum kognitiver Leistungsfähigkeit, und Menschen die anderen als „dumm“ erscheinen, haben möglicherweise auf Gebieten Talente, die durch standardisierte Intelligenztests nicht abgedeckt werden.
(2)

Zu dem Thema sei auch noch der Artikel „Die Wurzeln der Intelligenz“ von Frank Luerweg bei Spektrum der Wissenschaft empfohlen.

Außerdem müssen wir uns vor Augen halten, dass die von den Nazis angestrebte „Rassenreinheit“ schon seit Jahrhunderten illusorisch ist. Diese Vorstellung geht von isolierten Bevölkerungsgruppen aus, deren Erbgut nur in der Gruppe zirkuliert. Man kann also sagen, die „Rassenreinheit“ ist die Befürwortung von Inzucht.

Aber wie gesagt, diese Vorstellung ist obsolet. Warum? Weil der Mensch einfach nicht auf seinem Arsch hocken bleiben kann und damals wie heute in der Welt herumgaloppiert. Ausgeprägter Handel, Völkerwanderungen, Kreuzzüge oder Neckermann-Reisen boten den Menschen schon immer die Möglichkeit, ihr Erbgut in die Welt zu bringen und darin waren unsere Vorfahren äußerst fleißig. Und stellen wir uns auf der anderen Seite mal vor, was gewesen wäre, wenn unsere Ur-ur-ur-etc-Ahnen damals in ihrem schönen warmen Afrika geblieben wären, anstatt in den kalten Norden zu ziehen? Das wäre für uns schon schön doof.

Es gibt aber halt noch heute Hinterwäldler, die sich noch immer etwas auf ihre Abstammung, ihre „Rasse“ etwas einbilden. Gut, wenn man nichts Anderes im Leben erreicht hat, dann muss man sich halt einfach auf den kleinsten gemeinsamen Nenner des Daseins konzentrieren und das ist nun mal die Abstammung. Die ja auch eine Tatsache ist, für die man selbst ja keinerlei Leistung erbracht hat.

Die Verknüpfung von Merkmalen wie der Hautfarbe mit Eigenschaften oder gar angeblich genetisch fixierten Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensweisen, wie sie in der Blütezeit des anthropologischen Rassismus verwendet wurden, ist inzwischen eindeutig widerlegt. Diese Argumentation heute noch als angeblich wissenschaftlich zu verwenden, ist falsch und niederträchtig. (1)

2 Gedanken zu “Vom Unsinn der Rassenlehre

  1. > Die Folgen kennen wir: millionenfacher, brutaler Mord und Folter durch abscheuliche Menschenversuche.

    Vielleicht ein wenig missverständlich formuliert, denn der Holocaust war kein Menschenversuch (auch wenn die Nazis tödliche Menschenversuche gemacht haben), sondern schlicht und ergreifend Mord.

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