Kartenhaus Homöopathie

Die Homöopathie war und ist ein Koloss auf tönernen Füßen und diese Füße beginnen nun schneller zu bröckeln, als ihre Liebediener sie wieder kitten können.

In Frankreich hat die Diskussion um die Kassenerstattung nun endlich ein Ende: sie wird ab 2021 komplett gestrichen, nachdem die Gesundheitsminsterin Dr. Agnès Buzyn den Empfehlungen der Haute Autorité de santé (Oberste Gesundheitsbehörde) folgte und diese Entscheidung vom Präsidenten der Republik bestätigt wurde. Und dies obschon der Hersteller Boiron (und hier der namensgebende Inhaber selbst) eine Pöbelkampagne sondersgleichen losgetreten hatte.

Nun wird es auch für die Homöopathie in Deutschland eng. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Gassen stößt ins selbe Horn und spricht sich gegen eine Erstattung von Homöopathika durch die Kassen aus. Auch der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Erwin Rüddel, die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Dittmar, und ihre Kollegin von der FDP, Christine Aschenberg-Dugnus sprechen sich gegen eine Erstattung durch die Kassen aus. Genauso wie die Jungen Liberalen und sogar die Jungen Grünen. Dr. Karl Lauterbach aus der SPD-Bundestagsfraktion ist ja eh ein prominenter Kritiker dieser Praxis. Nun ist es nur zu hoffen, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundeskanzlerin Angela Merkel sich hier anschließen und diesem Spuk ein Ende setzen.

Wir müssen uns nämlich vor Augen halten, dass den Kassen in Deutschland durchaus bewusst ist, dass die Homöopathie nicht über den Placebo-Effekt hinaus wirkt. Ihre Entscheidungen, diese Leistungen trotzdem zu erstatten, hat rein werbliche Gründe. Die Kassen spekulieren darauf, dass sie mit diesen Erstattungen besonders junge, von Haus aus gesunde Menschen als Mitglieder gewinnen können, die weniger Kosten verursachen. Die Argumentation lautet immer wieder: Unsere Kunden wünschen sich das.

Dem Wald-und-Wiesen-Mitglied wie mir beispielsweise geht es allerdings nicht in den Kopf, dass bei den Kassen auf der einen Seite die Gelder der Solidargemeinschaft für Voodoo-Schmarrn herausgeworfen wird und für Leistungen wie Brillen oder Zahnersatz nur Minimalbeträge oder gar nichts bezahlt wird. Dies widerspricht dem Solidaritätsgedanken und ist dem recht und billig denkenden Menschen nicht zu vermitteln.

Und ja, die Homöopathie wirkt nicht über den Placebo-Effekt hinaus, da können mir noch so viele Abmahnungen drohen. Was mich übrigens in dieser Diskussion immer fasziniert hat ist, wenn die Homöopathie-Lobby immer und immer wieder behauptet, es gäbe Dutzende von positiven Studien zur Homöopathie. Wenn dies nun so ist, warum braucht es dann den Binnenkonsens, um den Homöopathika eine Sonderstellung sichern? Das hat man mir noch nicht erklären können. Wenn es doch so viele positive Studien gibt, warum klammert sich die Homöopathie-Lobby dann so an diesen anachronistischen Binnenkonsens?

Nun gut, sei es wie es will, das Kartenhaus der Homöopathie wankt und wackelt und bricht hoffentlich bald zusammen!

4 Gedanken zu “Kartenhaus Homöopathie

    1. Das mit dem „zum Affen machen“ ließ mich zusammenzucken und ich fühlte mich der Fairness halber genötigt, zu prüfen, ob der Kommentar dieses Attribut verdient hat.
      Leider muss ich einschätzen, dass dies nicht nur so ist, sondern der Text alle bekannten, auf Stimmungsmache setzende Propagandaelemente runterrattert.

      Das fängt wie immer mit der „Schulmedizin“ an und natürlich werden Homöopathika als „Medikamente“ bezeichnet. Das sagt mir nun wieder, dass man in der kritischen Besprechung beides tunlichst vermeiden sollte und stattdessen darauf verweisen, dass der Status eines Medikamentes schon begründet sein sollte, um dem Wort sprachlich einen Sinn zu belassen.

      Die Pharma­industrie ist natürlich „konventionell“, also althergebracht?, von gestern?, nicht am „Neuen“ interessiert? Was man bestätigen kann, ist, dass Pharmaindustrie unter gegebener Gesellschaft zu mißtrauen ist. Wenn nicht „konventionell“, so arbeitet sie doch „kommerziell“. Und die steigenden Entwicklungskosten der Präparate lassen ein entsprechend offensives und Wunder versprechendes Marketing erwarten. Solche Kosten hat die „alternative“ Pharmaindustrie natürlich nicht.

      Das nächste Pferdefuß ist, „dass die Wirksamkeit dieser Methode naturwissenschaftlich nicht bewiesen ist“. Mal abgesehen davon, dass man auch Unwirksamkeit beweisen kann (allerdings nur für jedes einzelne Präparat), fällt die stets eingefügte Vokabel „naturwissenschaftlich“ auf. Wenn etwas nicht bewiesen ist, ist es das einfach nicht. Die Einfügung erzeugt den Eindruck, es gäbe andere Beweismethoden. Und man selbst sollte die Nullausssage „nicht bewiesen“ gänzlich aus dem Vokabular streichen. Vor jedem BEweis aber steht der HINweis, also die Frage, ob es überhaupt Indizien für etwas gibt, an dessen Beweis man sich versuchen könnte. Die Hinweise auf Gegenteiliges zu verschweigen wiederum, ist unredlich und in einer seriösen Tageszeitung bedenklich.

      „Dass der Fortschritt von heute der Irrtum von morgen ist, ist unter WissenschaftlerInnen unstrittig.“
      Eine unwissende Falschbehauptung. Dass ein Fortschritt im Wissen die Beseitigung eines Irrtums ist, wäre das Unstrittige. Dann aber ist er eben beseitigt und für alle Zeiten obsolet. Der Irrtum selbst ist nie ein Fortschritt, weder gestern, heute noch morgen.

      Und wie immer der Satz „wirkt nicht über Placebo hinaus“. Auch den Satz kriegt man immer wieder als Kritiker vorgelegt, nur in umgekehrter Ausdeutung. Diesen Satz sollte man also nicht mehr verwenden, weil er suggeriert, unterhalb der Placebogrenze könne sich eine Wirkung verstecken, oder Placebo selbst sei ein Ergebnis der Behandlung.
      Placebo ist eben keine Wirkung und schon gar nicht der Homöopathie. Deswegen heißt es ja auch Placebo-Effekt und nicht Placebowirkung. Der größte Anteil darin sind rein statistische Scheineffekte und Befragungseffekte. Lediglich der Betreuungseffekt hat einen gewissen Wirkungsaspekt des Prozederes als Ganzes. Ob der aber vorliegt, lässt sich kaum isoliert ermitteln.

      1. „Die Pharma­industrie ist natürlich „konventionell“, also althergebracht?, von gestern?, nicht am „Neuen“ interessiert? “
        Das Statement fand ich auch sehr spannend – und vor allem ist es heiß, wenn man es der Realität der Homöopathie gegenüber stellt. Homöopathie wird seit 220 Jahren nach den „Erkenntnissen“ und Vorgaben des Herrn Hahnemann praktiziert.
        Die evidenzbasierte Medizin dagegen hat in den letzten 220 Jahren x-mal ihre Methoden geändert und was die Pharmaindustrie angeht, ist es doch in deren ureigenstem Interesse, ständig neues zu entwickeln – an abgelaufenen Patenten ist nicht mehr gut verdienen, ergo muss man neues in den Markt bringen. Mit „althergebrachtem“ würde man sich doch selbst schädigen.
        Also, wer ist das jetzt, der nach „konventionellen, althergebrachten“ Methoden arbeitet? Die Pharmaindustrie oder die Homöopathen?

  1. Die Dame scheint auch ein Problem mit der Logik zu haben. Sie setzt Globuli einfach mit anderen Medikamenten gleich, weil die ja auch nicht immer perfekt wirken. Klar, logo – aber ich sehe doch noch einen Unterschied zwischen einem Medikament, das in evidenzbasierten Tests seine Wirksamkeit bewiesen hat (sonst wäre es ja kein zugelassenes Medikament, Frau Krüger!) und einem Globuli, von dem belegt ist, dass kein Wirkstoff drin ist!

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