Gelesen: Ernst, Edzard: Alternativmedizin – Was hilft, was schadet

Edzard Ernst ist ja ein Schwergewicht in der Aufklärungsszene zur sogenannten „Alternativmedizin“. Und der Begriff Schwergewicht bezieht sich nicht auf die Aussage seiner Badezimmerwaage, sondern seine Reputation und sein Wissen. Hatte er doch den ersten Lehrstuhl für Alternativmedizin an der University of Exeter (GB) inne und seine Publikationen und seine Studien zu dem Thema kann man schon nicht mehr zählen.

Und fleißig ist er, der Professor Ernst, 2021 kam nun bereits sein zweites Buch auf den Markt, diesmal im renommierten Gräfe & Unzer-Verlag. Es beschäftigt, wie sollte es anders sein, mit den verschiedenen Spielarten der Alternativmedizin. Mit seinem neuen Buch „Alternativmedizin – Was hilft, was schadet“ legt Edzard Ernst einen Wegweiser durch das Dickicht der überbordenden Therapieangebote in diesem Bereich vor und gibt uns 20 Do’s und 20 Dont’s an die Hand.

Das vorliegende Buch teilt sich in drei große Abschnitte. Im ersten Teil geht der Autor auf die Alternativmedizin selbst ein. Wo die Gefahren liegen, warum Aufklärung so Not tut, wie man sie überhaupt erkennt, wie Patienten in die Irre geführt werden oder was man unter dem Placebo-Effekt und dem Begriff Evidenz versteht. Natürlich stellt sich der Autor auch ausführlich vor und zeigt seine Kompetenz in diesem Gebiet auf.

Dieser Teil ist hoch interessant, sehen wir hierin doch, wie gefährlich die Hinwendung zur Alternativmedizin sein kann, wie eng zum Beispiel die Verzahnung zur Impfgegnerschaft ist oder wie sehr die Eigendarstellung der Alternativmedizin gegenüber der Realität sein kann. Nein, es gibt keine Verschwörung gegen sie, nein, sie ist nicht nur sanft und natürlich und nein, nur weil sie aktuell beliebt ist, ist sie wirksam. Es ist schon eine durchaus emotionale Diskussion, die hier geführt wird und auch hierauf geht der Autor ein. Aber er spart auch nicht die durchaus kritikwürdigen Aspekte in der konventionellen Medizin aus.

Im zweiten Teil des Buches geht Edzard Ernst auf die zwanzig gefährlichsten Methoden der Alternativmedizin ein und was sich hier tummelt, lässt den Leser grausen. Hoch gefährlicher Unsinn wie zum Beispiel „alternative Krebstherapien“, die schon mehr als ein Menschenleben gekostet haben oder die antisemitische „Neue Germanische Medizin“ des Ryke Geerd Hamer sind hier genauso zu finden wie die beliebten Einstiege in die Alternativmedizin, nämlich die Homöopathie oder die Bach-Blüten. Was finden wir hier noch? Beispielsweise „alternative Diätkonzepte“. Von Wunderpillchen bis obskuren Diäten lässt Ernst hier nichts aus. Aber auch die abstruse „Anthroposophische Medizin“, die auf dem noch abstruseren Weltbild eines Rudolf Steiners fußt, ist hier zu finden genauso wie die leider immer populärer werdende Chiropraktik. Und das die Alternativmedizin auch ein florierendes Geschäft ist, erfahren wir etwa in den Kapiteln zu „Anti Aging-Produkten“. Natürlich fehlt auch mein ganz persönlicher Liebling nicht: die „Entschlackung“. Man braucht schon gute Nerven, wenn man sich mit all diesem Unsinn beschäftigt.

Aber der Autor hat auch zwanzig Methoden gefunden, die dem alternativmedizinischen Spektrum zuzurechnen sind und die tatsächlich etwas bringen. Beispielsweise die Phytotherapie, hier mit den Beispielen Johanniskraut und Knoblauch gelistet, das Autogene Training, Yoga oder Tai-Chi. Man sieht, Edzard Ernst ist nicht nur daran gelegen, vor den negativen Seiten der Alternativmedizin zu warnen, sondern auch diejenigen Methoden und Therapien vorzustellen, die durchaus ihre Berechtigung haben. Und Ernst stellt sie ausführlich vor, damit jeder Patient weiß, worauf er sich einlässt.

Nun, wir haben hier ein hervorragendes Nachschlagewerk für jeden, der sich mit der Alternativmedizin beschäftigt. Es ist aber auch gerade für „Einsteiger“ in diesem Bereich gut geeignet, werden doch alle genannten Methoden fundiert und ausführlich vorgestellt und das von einem der Top-Experten auf diesem Gebiet.

Somit kann ich zu keinem anderen Fazit kommen, als eine absolute Leseempfehlung abzugeben!

Ernst, Edzard: Alternativmedizin – Was hilft, was schadet: Die 20 besten, die 20 bedenklichsten Methoden.
Gräfe & Unzer, 2021. 224 Seiten.

Taschenbuch:
ISBN 9783833877933, 14,99€

E-Book:
ISBN 9783833878947, 11,99€

2 Gedanken zu “Gelesen: Ernst, Edzard: Alternativmedizin – Was hilft, was schadet

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