Die Geschichte vom Hanswurst und den Impfungen

Mein kleiner Lieblings-Hanswurst, also der Steiners Rudi, der hat ja bei vielen Themen seinen Senf dazugegeben. Auch – oder gerade wenn – er absolut nichts von der Materie verstand. Und seine Schwurbeleien, die er sich ausgedacht hat, hat er dann als „Schauungen“ von einer höheren Macht ausgegeben. Ist eigentlich ein ganz praktisches System, oder? Ich denk mir irgendein Zeug aus, behaupte, es käme von was weiß ich wem, und ihr habt das jetzt zu glauben. In jedem noch so kleinen Kaff im Wilden Westen hätte man solche Vögel geteert, gefedert und aus der Stadt gejagt. Was passiert hier bei uns? Man hört auf ihn. Ja, ehrlich! Es gibt noch heute, im Jahr 2019 Menschen, die darauf hören, was sich unser Rudi vor gut hundert Jahren hat einfallen lassen. Dass er absolut keine Kompetenz hatte, sich zu den einzelnen Themen zu äußern, ist ja egal, weil: seine Schauungen stammen ja von einer höheren Macht.

So verhält es sich auch mit dem Thema Impfen. Steiner hat 1917 da einigen gehörigen Schmarrn dazu abgesondert und noch heute hören Menschen tatsächlich darauf. Schauen wir uns mal an, was er so ein bisserl erzählt hat.

Seine bekannteste Äußerung finden wir in Bd. 177 auf Seite 97f seiner Gesamtausgabe. Es ist das Skript eines Vortrages und darin heißt es:

Die Seele wird man abschaffen durch ein Arzneimittel. Man wird aus einer „gesunden Anschauung“ heraus einen Impfstoff finden, durch den der Organismus so bearbeitet wird in möglichst früher Jugend, möglichst gleich bei der Geburt, daß dieser menschliche Leib nicht zu dem Gedanken kommt: Es gibt eine Seele und einen Geist. – So scharf werden sich die beiden Weltanschauungsströmungen gegenübertreten.

Die eine wird nachzudenken haben, wie Begriffe und Vorstellungen auszubilden sind, damit sie der realen Wirklichkeit, der Geist- und Seelenwirklichkeit gewachsen sind. Die andern, die Nachfolger der heutigen Materialisten, werden den Impfstoff suchen, der den Körper „gesund“ macht, das heißt so macht, daß dieser Körper durch seine Konstitution nicht mehr von solch albernen Dingen redet wie von Seele und Geist, sondern „gesund“ redet von den Kräften, die in Maschinen und Chemie leben, die im Weltennebel Planeten und Sonnen konstituieren. Das wird man durch körperliche Prozeduren herbeiführen. Den materialistischen Medizinern wird man es übergeben, die Seelen auszutreiben aus der Menschheit.

Diese Vorstellung der pöhsen Mediziner, die den Menschen die Seele wegnehmen wollen, findet sich noch öfter in seinem Werk. Er sieht darin auch einen großen Kampf zwischen Gut und Böse und die Ärzte anscheinend als Handlanger der „Geister der Finsternis“. So schrieb er in einem späteren Vortrag (gleicher Band wie vorhin, S. 236-238):

Aber die Geister der Finsternis sind dafür unter uns, sie sind da. Wir müssen Wache halten, damit wir merken, wo sie uns begegnen, damit wir Anschauungen darüber gewinnen, wo sie vorhanden sind. Denn das Gefährlichste in der nächsten Zukunft wird sein, sich unbewußt den Einflüssen auszuliefern, die ja doch da sind. Denn ob sie der Mensch kennt oder nicht kennt, das macht keinen Unterschied für ihre Realität.

Vor allen Dingen aber wird es sich für diese Geister der Finsternis darum handeln, dasjenige, was nun auf der Erde sich verbreitet und in dem die Geister des Lichtes in ihrer richtigen Richtung fortwirken können, das in Verwirrung zu bringen, das in falsche Richtungen zu bringen.

Ich habe auf eine solche falsche Richtung, die zu den paradoxesten gehört, schon hingewiesen. Ich habe Sie darauf hingewiesen, daß ja freilich die Menschenleiber sich so entwickeln werden, daß in ihnen eine gewisse Spiritualität Platz finden kann, daß aber der materialistische Sinn, der sich immer mehr ausbreiten wird durch die Anweisungen der Geister der Finsternis, dagegen arbeiten und mit materiellen Mitteln dagegen kämpfen wird.

Ich habe Ihnen gesagt, daß die Geister der Finsternis ihre Kostgeber, die Menschen, in denen sie wohnen werden, dazu inspirieren werden, sogar ein Impfmittel zu finden, um den Seelen schon in frühester Jugend auf dem Umwege durch die Leiblichkeit die Hinneigung zur Spiritualität auszutreiben. Wie man heute die Leiber impft gegen dies und jenes, so wird man zukünftig die Kinder mit einem Stoff impfen, der durchaus hergestellt werden kann, so daß durch diese Impfung die Menschen gefeit sein werden, die «Narrheiten» des spirituellen Lebens nicht aus sich heraus zu entwickeln, Narrheiten selbstverständlich im materialistischen Sinne gesprochen. […]

Das alles tendiert aber dahin, zuletzt das Mittel zu finden, durch das man die Leiber impfen kann, damit sie nicht Neigungen zu spirituellen Ideen aufkommen lassen, sondern ihr ganzes Leben hindurch nur an die sinnenfällige Materie glauben. So, wie man aus den Impulsen, welche die Medizin aus der Schwindelsucht – pardon, verzeihen Sie -, aus der eigenen Schwindsucht heraus gewonnen hat, gegen die Schwindsucht heute impft, so wird man impfen gegen die Anlage zur Spiritualität. Das soll nur hinweisen auf ein besonders paradox Hervorragendes unter vielem andern, was auf diesem Gebiet im Laufe der nächsten und ferneren Zukunft auftreten wird, damit das, was durch den Sieg der Geister des Lichtes aus den geistigen Welten auf die Erde herniederströmen will, in Verwirrung komme.

Dazu müssen natürlich zuerst die Weltanschauungen, die Auffassungen der Menschen verworren gemacht werden, die Begriffe, die Vorstellungen müssen zunächst verkehrt werden. Und hier ist ein ernstes Gebiet, auf das man sehr wachsam hinschauen soll, denn dieses Gebiet gehört zu den wichtigsten Hintergründen der Ereignisse, die sich gegenwärtig vorbereiten.

Ich wähle meine Ausdrücke vorsätzlich exakt. Ich sage «vorbereiten» und bin mir wohl bewußt, daß, wenn jemand von vorbereiten spricht, nachdem dasjenige stattgefunden hat, was in den letzten drei Jahren stattgefunden hat, er schon Bedeutungsvolles sagt, denn wer tiefer in die Dinge hineinsieht, weiß, daß es sich um Vorbereitungen handelt. Nur der Oberflächliche kann glauben, daß morgen oder übermorgen dasjenige, was nicht im alten Sinne ein Krieg ist, durch einen Frieden im alten Sinne abgeschlossen werden kann. Nur wer die Ereignisse recht oberflächlich beurteilt, kann solches glauben.

Wohl werden es viele glauben, wenn äußerlich dies oder jenes eintritt, was solchen Vorstellungen ähnlich sieht, wie mancher sie sich macht; dann wird man aber nicht bedenken, was unter der Oberfläche schlummern wird.

Heidewitzka, was für ein Geschwurbel… Ich entschuldige mich, dass ich euch dieses lange Zitat zugemutet habe, aber ich musste da auch durch…

Wir sind uns wohl alle einig, dass die beiden hier aufgeführten Zitate, die von Steiner-Anhängern als Argumente gegen das Impfen angeführt werden, keinerlei wissenschaftliche Aussage und keinerlei Wert für unser aller Lebensrealität haben. Aber trotzdem richten sich noch manche Menschen danach. Dies sieht man daran, dass bei den großen Masernausbrüchen in den letzten Jahren immer wieder anthroposophische Kindergärten oder Waldorfschulen mit beteiligt oder sogar deren Ausgangsort waren.

Was ist das Ende vom Lied? Eine Krankheit, die heutzutage schon seit Jahren hätte ausgerottet sein könnte, ist auf Grund diffuser Ängste, die durch Aussagen wie die obigen geschürt werden, wieder im Kommen.

Diese Debatte zeigt aber auch schön, wie menschenverachtend die Ideologie Steiners ist, wird doch immer wieder betont, wie wichtig beispielsweise eine Masernerkrankung für die Entwicklung von Kindern ist und was für einen Entwicklungsschub die Kinder durchmachen, die die Masern überstanden haben.

Und die, die sie nicht überstanden haben? Oder die, die unter Spätfolgen leiden? Um die ist es wohl nicht schade. Steiner sieht darin anscheinend eine Art der Selektion, ein Gedankengang, von dem Steiner sehr angetan ist. Dies zeigt sich auch in seiner Waldorfpädagogik. Nur wer auf seinen zwei Beinen in die Schule hinein laufe, sei dort richtig. Wer ein „Kriechling“ bleibe, für den gebe es die Heilpädagogik.

Wir sehen also, Rudi wollte seine Anhängerschaft schlank und rank, flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl … ach nein, das war ja der andere Hanswurst. Aber naja… soviel Unterschied ist da ja nicht zwischen den Ideologien.

2 Gedanken zu “Die Geschichte vom Hanswurst und den Impfungen

  1. Was die Masern angeht, war Steiner schlicht ein esoterischer Spinner. Er sah sie als Folge karmischer Verstrickung und die Impfung folglich als Eingriff in diese phantasierten geistigen Zusammenhänge.

    Wenn Anthroposophen vor diesem Hintergrund eine „individuelle Impfentscheidung“ propagieren, braucht man nicht viel Vorstellungsvermögen, worauf das in vielen Fällen hinausläuft. Wie soll man eine informierte Entscheidung auf der Basis des Glaubens an ein Karma treffen?

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