Das alte Wissen der Druiden

Aufgemerkt! Der Onkel hat Blutdruck! Gerade suche ich bei Booklooker, einem Online-Marktplatz für gebrauchte Bücher und Medien, die hervorragenden Krimis der Balaclava-Serie von Charlotte MacLeod, weil meine beiden alten, zerlesenen Sammelbände endgültig kaputt sind. Und durch irgendeinen Zufall habe ich bei einer Suche auch einige Sachbücher zum Thema „Altes Wissen“ in der Ergebnisanzeige.

Und der Begriff „Altes Wissen“ triggert mich ja ungemein, denn damit ist es so eine Sache. Ein Beispiel:

Das erste Buch, das mir angezeigt wird, ist ein Band über das „Alte Wissen“ der keltischen Druiden. Da habe ich ja schon zu viel. Vor allem, weil es genug geistige Dünnbrettbohrer gibt, die sich diesen Mist kaufen und sich ach wie toll und spirituell und esoterisch und watweißichnochalles finden. Was ich gegen das Wissen von Druiden habe? Prinzipiell erstmal nichts, aber das Wissen der keltischen Druiden, um die es hier ging, kennen wir nicht. Dies liegt zum einen daran, daß die Schriftlichkeit bei den Kelten ohnehin nur wenig entwickelt gewesen ist: Vor der Christianisierung hat es eine keltische Literatur nicht gegeben. Zum anderen haben es die obersten Priester der Kelten, die man in Gallien und Britannien als ‚Druiden‘ bezeichnete bewußt vermieden, ihre Lehren aufzuzeichnen und sie damit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.*

So. Also nix mit den ollen Kelten. Und wenn die Druiden sich das Zeugs, das in diesem Buch steht nicht ausgedacht haben, heißt das, dass irgendein Pflaumenaugust sich den ganzen Unsinn aus dem Ars… ääääh… dem Hut gezogen hat. Das ist natürlich eine hervorragende Ausgangslage, denn wenn es keine validen Quellen gibt, kann ich jeden noch so großen Blödsinn zusammenschustern, denn wer will mir das Gegenteil behaupten?

Und so läuft es doch auch mit den Schamanen, Medizinmännern, Hexendoktoren und wasweißichnochalles. Hier geht es doch nur, mit irgendwelchem Spökes den dummen Westler*innen Geld aus der Tasche zu ziehen und um nichts Anderes.

Genauso hat es doch der Scharlatan Rudolf Steiner gemacht, nur er nannte das aus dem Arsch zaubern „Schauungen“. Und was ist? Noch heute glauben einfältige Mitbürger*innen daran. Die Lizenz zum Geld drucken.

Um ein paar Taler zu verdienen werde ich auch in dieses Geschäft einsteigen. Mein erstes Buch wird den Titel haben „Die Bedeutung der Kleptomanie bei Schamanen am Oberlauf des Orinoco“.

*Sonnabend, Holger: Die Kelten. In: Handbuch der Religionsgeschichte im deutschsprachigen Raum. Bd. 1: Altertum und Frühmittelalter. Paderborn: Schöning, 2011. S. 13-32.

Beitragsbild: Von TheJaySpearing – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=72439106

3 Gedanken zu “Das alte Wissen der Druiden

    1. … es wird noch absurder: Archäologische Ausgrabungen, zum Beispiel bei Gournay-sur-Aronde, zeigen total naturverbundene, achtsame, der Göttin gewidmete Kultstätten in heiligen Hainen. In denen verstümmelte Leichen auf Gerüsten über Monate langsam verwesen durften, denn damals nahm man sich noch Zeit, es seinen Feinden so richtig heimzuzahlen. Aber irgendwie beschleicht mich der Verdacht, dass dieser Teil der Geschichte bei der Mistel&Mondschein-Fraktion irgendwie noch nicht so recht durchgedrungen ist?

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